[Intro] [Ein Heizkörper klopft gegen ein tiefes E-Piano; die Drums setzen nach vier Takten ein.] Zwei Pullover in der Küche, draußen fällt der erste Frost. Auf dem Tisch drei rote Zahlen, jede fordert ihren Posten. Im Fernsehen steht „Entlastung“, darunter wandert der Preis. Helga dreht die Heizung runter, und das kleine Zimmer schweigt. [Verse 1] Helga wohnt seit vielen Jahren über einem kleinen Markt, kennt die Namen an der Kasse, keiner sieht, wie knapp sie spart. Ihre Rente kommt zum Monatsende, geht am ersten wieder fort. Miete, Strom und Medikamente kennen ihren festen Ort. Geranien auf dem Fensterbrett, feuchte Ränder an der Wand. Ein Taschenrechner, stumpfe Tasten, liegt bereit in ihrer Hand. Sie schreibt „Wärme“ auf den Zettel, streicht es durch und schreibt „Verzicht“. Haushalt heißt für sie im Winter: dieses an, das andre nicht. [Chorus] Stromrechnung und Schlagzeilen, rot auf weiß, schwarz auf grau. Sie erklären die Entlastung, Helga rechnet ganz genau. Stromrechnung und Schlagzeilen, Heizung runter, Licht wird klein. Zu viel Krise in der Küche, zu wenig Wärme daheim. Abends wechseln die Parolen, jede fordert ihren Ort. Doch die Kälte bleibt im Zimmer, wenn der Sender längst ist fort. [Verse 2] Vier Gesichter in der Runde reden lauter als zuvor. Einer warnt, der andre fordert, Helga hört den Heizkörper. Früher stand sie an der Schneidemaschine, Akkordlohn, jeden Tag. Heute misst sie ihre Zukunft an dem, was die Heizung leisten mag. Alte Decken liegen griffbereit im Schrank neben der Tür. Ruhe nach der langen Arbeit, dachte sie, beginne hier. Nun macht jeder neue Abschlag aus dem Monat einen Test. Und die Wohnung, die sie kennt, wird bei zwei Grad mehr zum Rest. [Pre-Chorus] Eine Zahl wird erst zur Kälte, wenn das Rohr im Zimmer schweigt. Eine Krise wird zum Alltag, wenn der Kühlschrank weniger zeigt. Was im Studio Meinung heißt, heißt am Küchentisch Verzicht. Zwischen beiden liegt ein Abstand, den kein Laufbandtext durchbricht. [Chorus] Stromrechnung und Schlagzeilen, rot auf weiß, schwarz auf grau. Sie erklären die Entlastung, Helga rechnet ganz genau. Stromrechnung und Schlagzeilen, Heizung runter, Licht wird klein. Zu viel Krise in der Küche, zu wenig Wärme daheim. Abends wechseln die Parolen, jede fordert ihren Ort. Doch die Kälte bleibt im Zimmer, wenn der Sender längst ist fort. [Verse 3] Sie stellt dünnen Kaffee hin: „Mach aus dem Frieren nicht mein Bild. Ich bin mehr als diese Rechnung und kein Beleg für euren Streit.“ Im Umschlag liegt ein Härtefall, sechs Formulare, vier Belege. Zweimal brach die Leitung ab, beim dritten fehlten neue Wege. Ihr Sohn schickt Geld vom Bau, obwohl sein Konto selber sinkt. Helga nimmt es nur im Winter, bis die nächste Zahlung klingt. Auf dem Bildschirm blinkt die Eilmeldung, sie dreht den Ton zurück. „Keiner sitzt am Dienstag hier und rechnet dieses kleine Stück.“ [Instrumental Break] [Mit jeder Wiederholung des Pianomotivs verschwinden ein Drum-Layer und ein hoher Ton.] [Bridge] Aus der Schublade kommt ein Foto: Ostsee, Sommer, heller Wind. Klaus steht neben ihr im Wasser, beide jünger als sie sind. „Schreib auch, dass ich wütend bin, nicht bloß müde, arm und alt.“ Dann legt sie den Stift zur Seite und dreht die Heizung etwas auf. [Final Chorus] Stromrechnung und Schlagzeilen, rot auf weiß, schwarz auf grau. Jede Seite kennt die Lösung, Helga kennt den Dienstag genau. Stromrechnung und Schlagzeilen, Heizung runter, Licht wird klein. Kein politisches Symbolbild hält ein kaltes Zimmer warm. Nicht die Kälte macht sie leise, nicht der Bildschirm gibt ihr Sinn. Helga ist mehr als die Rechnung und die Sorge darin. [Outro] Sie löscht nicht das Licht, sie schaltet nur den Fernseher aus. An der Scheibe malt ihr Atem einen hellen Rand nach draußen. Der Heizkörper klopft noch zweimal, dann bleibt nur das Klavier. Ich steck die Nummer zu den andern, und die Kälte geht mit mir.